Postnatale Depression

„Warum kann ich nicht auch einfach eine glückliche Mutter sein?“ Diese Frage einer frisch gebackenen Mama steht plötzlich im Raum wie dicke Luft.

Die junge Frau erzählt mir, wie überfordert und allein sie sich oft mit ihrem 5-Monate alten Sohn fühlt. Und obwohl er ein genügsamer und ruhiger Zeitgenosse zu sein scheint, kommen in ihr keine Glücksgefühle auf. Im Gegenteil: Sie empfindet das Stillen als wahre Zumutung und die Tage mit einem Säugling allein zu Hause als unendlich. Sie vermißt ihren Arbeitsalltag, will sich in ihrem Körper wieder wohl fühlen und sehnt sich nach Zeit für sich und ihren Partner. Und dabei haben sie sich auf das Kind doch so gefreut!

Postnatale Depression ?

Während es ganze Regalreihen voller Bücher gibt, die sich mit den ersten Jahren des Kindes, Babynahrung, Erziehungsfragen etc. beschäftigen, gibt es kaum ein Buch, das einen ehrlichen Blick auf dieses Thema wirft. Natürlich hat man auch von Postnataler Depression schon mal gehört, aber ist es gleich diese Diagnose, die man aus der Schublade holen muss?

Das Problem ohne Namen

1963 hat die amerikanische Psychologin Betty Friedmann sich diesem Thema angenommen. In ihrem Buch „Die Selbstbefreiung der Frau“ hat sie darüber geschrieben, wie allein, isoliert, überfordert und fremdbestimmt sich Mütter in den ersten Jahren oft fühlen. Hinzu kommt eine große Portion Scham – schließlich solle frau doch glücklich sein, dass das Kind gesund und wohlauf ist.

Inzwischen haben sich Soziologen, Psychologen und Antropologen zusammengetan und sich damit beschäftigt. Sie kommen zum Schluss, dass die Kombination aus verändertem Hormonspiegel und verändertem Körpergefühl einen inneren Kampf heraufbeschwört: „Als Mutter will ich mich um mein Baby kümmern, es steht im alleinigen Fokus“ – tritt an gegen „Ich, als eigenständiger Mensch, mit allem, was mich ausmacht“ Ambivalenz ist also absolut normal! Mütter, die darüber reden, sich getrauen auszusprechen, was andere Mütter manchmal fühlen, sind mutig und verdienen meinen vollsten Respekt.

Einen Namen hat man für dieses Phänomen bis heute nicht gefunden. Es bleibt also das Problem ohne Namen. Und weil es nicht mal einen Namen hat, halte ich es für umso wichtiger es anzusprechen. Auszusprechen. Ehrlich zu sein.

Empfehlenswerter TED-Talk dazu: https://www.youtube.com/watch?v=jOsX_HnJtHU


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